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SQL-Datenbanken Überblick

Es gibt viele verschiedene SQL-Datenbank-Systeme. Alle sprechen SQL, aber jedes hat eigene Stärken und Besonderheiten. In diesem Artikel lernst du die wichtigsten SQL-Datenbanken kennen und erfährst, welche für welchen Zweck geeignet ist.

Note
Alle diese Datenbanken sind relationale Datenbanken und nutzen SQL als Abfragesprache. Die Grundkonzepte, die du in dieser Serie lernst, funktionieren bei allen gleich.

MySQL

MySQL ist die weltweit am häufigsten eingesetzte Open-Source-Datenbank. Sie wurde 1995 entwickelt und gehört seit 2010 zu Oracle.

Stärken

  • Einfach zu lernen: Perfekt für Einsteiger
  • Weit verbreitet: Große Community, viele Tutorials und Tools
  • Schnell: Sehr gute Performance bei Lese-Operationen
  • Kostenlos: Open Source (GPL-Lizenz)
  • Hosting: Bei fast jedem Webhoster verfügbar

Schwächen

  • Weniger Features als PostgreSQL
  • Komplexe Abfragen manchmal langsamer
  • Einige fortgeschrittene SQL-Features fehlen

Typische Einsatzgebiete

  • Webseiten und Blogs (z.B. WordPress)
  • E-Commerce-Shops
  • Content Management Systeme
  • Kleinere bis mittlere Anwendungen
Tip
MySQL ist ideal für den Einstieg. Diese Artikelserie nutzt MySQL für alle Beispiele und Tutorials.

PostgreSQL

PostgreSQL (oft "Postgres" genannt) ist ein hochmodernes Open-Source-System. Es existiert seit 1986 und gilt als die fortschrittlichste Open-Source-Datenbank.

Stärken

  • Feature-reich: Unterstützt nahezu alle SQL-Standards
  • Erweiterbar: Eigene Datentypen und Funktionen möglich
  • Zuverlässig: Sehr stabile ACID-Eigenschaften
  • Komplexe Abfragen: Hervorragende Performance bei komplexen JOINs
  • JSON-Support: Kann auch mit JSON-Dokumenten arbeiten
  • Geografische Daten: Exzellent für Karten und Standorte (PostGIS)

Schwächen

  • Etwas komplexer in der Konfiguration
  • Bei simplen Abfragen manchmal langsamer als MySQL
  • Weniger verbreitet im Shared Hosting

Typische Einsatzgebiete

  • Unternehmensanwendungen mit komplexen Datenstrukturen
  • Datenanalyse und Business Intelligence
  • Wissenschaftliche Anwendungen
  • Geografische Informationssysteme (GIS)
  • Finanzanwendungen
Note
PostgreSQL wird oft gewählt, wenn Projekte von MySQL "herauswachsen" und mehr Features benötigen.

SQLite

SQLite ist eine besondere SQL-Datenbank. Sie läuft nicht als Server, sondern ist eine eingebettete Datenbank in einer einzelnen Datei.

Stärken

  • Extrem einfach: Keine Installation, keine Konfiguration
  • Portabel: Eine Datei = die gesamte Datenbank
  • Leichtgewichtig: Sehr kleine Bibliothek
  • Schnell: Bei lokalen Zugriffen sehr performant
  • Kostenlos: Public Domain (keine Lizenz nötig)

Schwächen

  • Kein Server = kein gleichzeitiger Zugriff über das Netzwerk
  • Bei vielen parallelen Schreibzugriffen langsam
  • Keine Benutzer-Rechteverwaltung
  • Nicht für große, hochfrequentierte Anwendungen geeignet

Typische Einsatzgebiete

  • Mobile Apps (iOS, Android)
  • Desktop-Anwendungen
  • Browser (Firefox, Chrome nutzen SQLite)
  • Embedded Systems und IoT-Geräte
  • Prototypen und Entwicklung
  • Kleine lokale Anwendungen
Tip
SQLite ist perfekt zum Lernen. Du kannst direkt loslegen ohne Server-Installation. Viele Entwickler nutzen SQLite für die lokale Entwicklung.

Microsoft SQL Server

Microsoft SQL Server ist Microsofts kommerzielle Datenbank-Lösung. Sie läuft hauptsächlich auf Windows-Servern (seit 2017 auch auf Linux).

Stärken

  • Enterprise-Features: Alles für große Unternehmen
  • Microsoft-Integration: Perfekt mit .NET, Azure, Office
  • Tools: Exzellente grafische Verwaltungstools
  • Support: Professioneller Microsoft-Support verfügbar
  • Business Intelligence: Integrierte Analyse-Tools

Schwächen

  • Kosten: Lizenzgebühren (Express Edition ist kostenlos, aber limitiert)
  • Primär für Windows-Umgebungen
  • Proprietär (kein Open Source)

Typische Einsatzgebiete

  • Große Unternehmensanwendungen
  • .NET-basierte Anwendungen
  • Business Intelligence und Reporting
  • Microsoft Azure Cloud-Anwendungen
  • Data Warehouses

Oracle Database

Oracle Database ist die Enterprise-Datenbank von Oracle. Sie gilt als eine der mächtigsten und teuersten Datenbanken auf dem Markt.

Stärken

  • Extrem leistungsfähig: Kann riesige Datenmengen verarbeiten
  • Hochverfügbarkeit: Ausgezeichnete Failover- und Backup-Systeme
  • Skalierung: Für die größten Anwendungen geeignet
  • Sicherheit: Sehr fortgeschrittene Sicherheitsfeatures
  • Professionell: Erstklassiger Enterprise-Support

Schwächen

  • Sehr teuer: Hohe Lizenzkosten
  • Komplex in Installation und Verwaltung
  • Überdimensioniert für kleine Projekte

Typische Einsatzgebiete

  • Große Konzerne und Banken
  • Kritische Geschäftsanwendungen
  • Telekommunikation
  • Regierungsanwendungen
  • Sehr große E-Commerce-Plattformen
Note
Oracle wird vor allem in großen etablierten Unternehmen eingesetzt, die maximale Performance und Support benötigen und bereit sind, dafür zu zahlen.

MariaDB

MariaDB ist ein Fork (Abspaltung) von MySQL. Sie wurde vom ursprünglichen MySQL-Entwickler gegründet, nachdem Oracle MySQL übernommen hatte.

Stärken

  • MySQL-kompatibel: Kann MySQL meist direkt ersetzen
  • Open Source: Vollständig frei und offen
  • Mehr Features: Zusätzliche Funktionen gegenüber MySQL
  • Performance: Oft schneller als MySQL
  • Community-getrieben: Aktive Entwicklung

Typische Einsatzgebiete

  • Als MySQL-Ersatz
  • Webseiten und Web-Anwendungen
  • Projekte, die vollständig Open Source sein sollen
Tip
MariaDB ist eine ausgezeichnete Alternative zu MySQL. Viele große Projekte wie Wikipedia sind von MySQL zu MariaDB gewechselt.

Vergleichstabelle

Hier eine Übersicht der wichtigsten Unterschiede:

DatenbankLizenzSchwierigkeitBeste fürKosten
MySQLOpen SourceEinfachWebseiten, EinsteigerKostenlos
PostgreSQLOpen SourceMittelKomplexe AnwendungenKostenlos
SQLitePublic DomainSehr einfachMobile Apps, PrototypenKostenlos
MS SQL ServerProprietärMittel.NET, Enterprise€€€ (Express gratis)
OracleProprietärSchwerGroße Konzerne€€€€€
MariaDBOpen SourceEinfachMySQL-AlternativeKostenlos

Welche Datenbank solltest du wählen?

Die Wahl hängt von deinem Projekt ab. Hier eine Entscheidungshilfe:

Für Einsteiger und Lernen

MySQL oder SQLite

Beide sind einfach einzurichten. MySQL wenn du einen Server möchtest, SQLite für lokale Entwicklung.

Für Webseiten und kleine bis mittlere Projekte

MySQL oder MariaDB

Weit verbreitet, guter Support, bei fast allen Hostern verfügbar.

Für komplexe Geschäftslogik und Analysen

PostgreSQL

Mehr Features, bessere Performance bei komplexen Abfragen, JSON-Support.

Für Mobile Apps

SQLite

Standard für iOS und Android Apps. Keine Server-Konfiguration nötig.

Für .NET-Anwendungen in Microsoft-Umgebung

Microsoft SQL Server

Beste Integration mit Microsoft-Produkten und Azure.

Für große Konzerne mit kritischen Daten

Oracle oder Microsoft SQL Server

Wenn Budget keine Rolle spielt und maximale Zuverlässigkeit und Support nötig sind.

Important
Die gute Nachricht: SQL-Grundlagen sind überall gleich. Was du in dieser Serie mit MySQL lernst, funktioniert mit kleinen Anpassungen auch bei allen anderen SQL-Datenbanken.

Zusammenfassung

Es gibt viele SQL-Datenbank-Systeme mit unterschiedlichen Stärken:

  • MySQL/MariaDB: Am weitesten verbreitet, ideal für Webseiten und Einsteiger
  • PostgreSQL: Feature-reichste Open-Source-Datenbank, für komplexe Anwendungen
  • SQLite: Eingebettete Datenbank, perfekt für Mobile Apps und lokale Anwendung
  • MS SQL Server: Enterprise-Lösung für Microsoft-Umgebungen
  • Oracle: Die mächtigste, aber auch teuerste Lösung für Großkonzerne

Im nächsten Artikel werfen wir einen kurzen Blick auf NoSQL-Datenbanken, bevor wir uns dann komplett auf SQL und MySQL konzentrieren.