SQL vs. NoSQL
Es gibt zwei große Kategorien von Datenbanken: SQL-Datenbanken (auch relationale Datenbanken genannt) und NoSQL-Datenbanken. Beide haben unterschiedliche Stärken und werden für verschiedene Aufgaben eingesetzt.
In diesem Artikel lernst du die grundlegenden Unterschiede kennen und erfährst, wann du welche Art von Datenbank wählen solltest.
Was ist SQL?
SQL steht für "Structured Query Language" (Strukturierte Abfragesprache). SQL-Datenbanken organisieren Daten in Tabellen mit festen Spalten und Zeilen.
Eine SQL-Datenbank funktioniert wie ein Excel-Dokument mit mehreren verknüpften Tabellen. Jede Tabelle hat eine feste Struktur:
Jeder Kunde muss diese vier Felder haben. Du kannst keinen Kunden ohne Email anlegen. Diese strikte Struktur nennt man Schema.
Was ist NoSQL?
NoSQL bedeutet "Not only SQL" (Nicht nur SQL). NoSQL-Datenbanken speichern Daten flexibler und ohne festes Schema.
Die häufigste Art von NoSQL-Datenbanken sind Dokumenten-Datenbanken. Sie speichern Daten als JSON-ähnliche Dokumente:
{
"id": 1,
"name": "Anna Müller",
"email": "anna@beispiel.de",
"stadt": "Berlin",
"hobbies": ["Lesen", "Wandern"]
}
{
"id": 2,
"name": "Tom Schmidt",
"email": "tom@beispiel.de",
"telefon": "+49 123 456789"
}Beachte: Anna hat ein Feld "hobbies", Tom hat stattdessen ein Feld "telefon". Beide Dokumente können unterschiedliche Felder haben. Das ist in SQL nicht möglich.
Der Hauptunterschied: Schema
SQL: Festes Schema
Du musst vorher definieren, welche Felder existieren. Jeder Datensatz muss diese Struktur einhalten.
Vorteil: Daten sind konsistent. Du weißt genau, welche Informationen vorhanden sind.
Nachteil: Änderungen an der Struktur sind aufwändig. Du musst die gesamte Tabelle anpassen.
NoSQL: Flexibles Schema
Jeder Datensatz kann unterschiedliche Felder haben. Du kannst neue Felder jederzeit hinzufügen.
Vorteil: Sehr flexibel. Ideal wenn sich Anforderungen oft ändern.
Nachteil: Weniger Kontrolle. Du musst im Code prüfen, welche Felder existieren.
Beziehungen zwischen Daten
Ein weiterer wichtiger Unterschied liegt darin, wie beide Systeme mit Verknüpfungen umgehen.
SQL: Verknüpfungen sind die Stärke
SQL-Datenbanken sind für Verknüpfungen optimiert. Du speicherst Daten in mehreren Tabellen und verbindest sie bei Bedarf.
Beispiel: Ein Online-Shop
- Tabelle
Kunden: Kundendaten - Tabelle
Bestellungen: Bestellungen mit Verweis auf Kunden-ID - Tabelle
Produkte: Produktinformationen
Mit SQL kannst du diese Tabellen einfach verknüpfen:
SELECT Kunden.Name, Produkte.Titel
FROM Bestellungen
JOIN Kunden ON Bestellungen.KundenID = Kunden.ID
JOIN Produkte ON Bestellungen.ProduktID = Produkte.ID;NoSQL: Daten werden oft zusammen gespeichert
NoSQL-Datenbanken bevorzugen Denormalisierung. Das bedeutet: Verknüpfte Daten werden direkt zusammen gespeichert.
{
"kundenID": 1,
"name": "Anna Müller",
"bestellungen": [
{
"bestellNr": 1001,
"produkt": {
"titel": "Laptop",
"preis": 899.99
}
},
{
"bestellNr": 1002,
"produkt": {
"titel": "Maus",
"preis": 29.99
}
}
]
}Alle Informationen sind in einem Dokument. Du brauchst keine Verknüpfungen, aber Daten werden möglicherweise mehrfach gespeichert.
Skalierung: Horizontal vs. Vertikal
Wenn deine Anwendung wächst, musst du die Datenbank skalieren. Hier gibt es zwei Ansätze:
Vertikale Skalierung
Du machst deinen Server stärker: Mehr RAM, schnellere CPU, größere Festplatte.
SQL-Datenbanken skalieren traditionell vertikal. Das ist einfach, aber es gibt Grenzen. Irgendwann ist der größte Server nicht mehr ausreichend.
Horizontale Skalierung
Du fügst mehr Server hinzu und verteilst die Daten auf mehrere Maschinen.
NoSQL-Datenbanken sind für horizontale Skalierung gebaut. Du kannst theoretisch unbegrenzt viele Server hinzufügen.
SQL vs. NoSQL im Vergleich
Wann solltest du SQL verwenden?
SQL-Datenbanken sind die richtige Wahl, wenn:
- Deine Daten eine klare Struktur haben (z.B. Kunden, Bestellungen, Produkte)
- Du viele Verknüpfungen zwischen Daten hast
- Datenkonsistenz kritisch ist (z.B. Finanzdaten, Buchungssysteme)
- Du komplexe Abfragen mit Filtern, Sortierungen und Aggregationen brauchst
- Die Datenstruktur sich selten ändert
Typische Anwendungsfälle:
- E-Commerce Shops (Produkte, Kunden, Bestellungen)
- Banking-Systeme (Konten, Transaktionen)
- CRM-Systeme (Kundenverwaltung)
- Buchungssysteme (Hotels, Flüge)
- ERP-Systeme (Warenwirtschaft)
Wann solltest du NoSQL verwenden?
NoSQL-Datenbanken sind die richtige Wahl, wenn:
- Deine Daten sehr unterschiedlich strukturiert sind
- Die Struktur sich häufig ändert
- Du massive Datenmengen hast (Big Data)
- Du horizontal skalieren musst
- Geschwindigkeit wichtiger ist als strikte Konsistenz
- Du hauptsächlich ganze Dokumente liest/schreibst
Typische Anwendungsfälle:
- Social Media (Beiträge, Kommentare, sehr flexibel)
- Content Management Systeme (Artikel mit unterschiedlichen Feldern)
- IoT-Daten (Sensordaten in großen Mengen)
- Echtzeit-Analysen (Logs, Events)
- Kataloge (Produkte mit sehr unterschiedlichen Eigenschaften)
- Session Storage (temporäre Nutzerdaten)
Kann man beides kombinieren?
Ja! Viele moderne Anwendungen nutzen beide Ansätze. Das nennt man Polyglot Persistence.
Beispiel eines Online-Shops:
- SQL für Bestellungen, Kunden und Zahlungen (kritische Daten)
- NoSQL für Produktkataloge (flexible Attribute)
- Redis (Key-Value NoSQL) für Session-Daten und Caching
Zusammenfassung
SQL und NoSQL sind zwei unterschiedliche Ansätze zum Speichern von Daten:
- SQL: Strukturiert, tabellenbasiert, mit festen Schemas und starken Verknüpfungen
- NoSQL: Flexibel, dokumentenbasiert, ohne festes Schema und horizontal skalierbar
- SQL ist ideal für strukturierte Daten mit vielen Beziehungen
- NoSQL ist ideal für flexible, große Datenmengen
- Beide Ansätze können in einem Projekt kombiniert werden
In den nächsten Artikeln schauen wir uns SQL-Datenbanken im Detail an und lernen die verschiedenen Systeme kennen.